Neustart mit 35

… ist das noch möglich?

Ich meine, ich bin seit nunmehr 14 Jahren in Berlin, ich kann der Stadt so nichts weltbewegendes abgewinnen … ich wohne halt hier, arbeite halt hier, aber da hört es auch schon wieder auf.

Ich gehöre hier einfach nicht hin – habe weder einen richtigen Freundeskreis noch meinen Spaß in der wenigen Freizeit. Ich war noch nie wirklich mal auf der Piste, habe kein Stammlokal, keinen Lieblingsrückzugsort, keinen Lieblingsladen … diese Anonymität der Großstadt und der Lärm, das alles ist nicht so gar nicht meins.

Klar, ich habe einen Beruf, den ich (unter anderen Umständen) auch wirklich sehr gerne mache, aber mal ehrlich, … den kann ich auch überall anders machen. Was zum Geier hält mich denn noch in dieser Stadt?

Okay, wir leben in einem doch recht Grünen und vor allem ruhigen Fleckchen, dennoch bin ich nicht glücklich. Von tollen Nachbarn können wir leider auch nur träumen (so oft wie die uns beim Jugendamt schon angezeigt haben) und diese Wohnungsbaugesellschaft hat auch nicht den besten Ruf.

Also, wer bin ich, was kann ich, was wollte ich schon immer???

Meinst du, ich könnte jetzt mit 35 nochmal umschulen … doch endlich Tanzlehrerin werden oder Pferdewirtin? Oder müsste ich gar nicht umschulen, sondern organisiere mir einfach einen Hof mit einem Häuschen, bewirtschafte meinen eigenen kleinen Garten, habe meinen eigenen kleinen Streichelzoo und beherberge einfach ab und an im Jahr Familien. Das wollte ich schon immer machen – dann könnte ich mir auch meinen Kindheitswunsch: ein eigenes Pferd – einen Haflingerwallach – erfüllen.

Okay, stapel ich mal nicht ganz so hoch, wie wäre es einfach erstmal mit einem Job im Baumarkt oder mit Pflanzen … ich liebe beides und ich hätte weiterhin noch Kundenkontakt, aber den nicht mehr so ausgeprägt und dank Ladenschließzeiten wären die zu arbeitenden Stunden auch realistischer einzuhalten. Vielleicht ein Franchise-Blume 2000 Laden?! Mit Gestecke binden für diverse Anlässe … vieles hab ich von meiner Omi gelernt.

Oder einfach weg ziehen … flüchten sozusagen. Warum nicht einfach wieder an die Küste ziehen oder auf eine der ostfriesischen Inseln, wo die Uhren einfach ein wenig langsamer ticken, man sich untereinander kennt, Stammgäste hat, in den Wintermonaten einfach ohne Urlaubsantrag frei und viel Zeit für die Familie hat?

Wer will mich eigentlich davon abhalten, wenn ich jetzt sage, ich gehe für ein halbes Jahr auf ein Schiff oder verschwinde zur „Weiterbildung“ nach Irland? Eigentlich niemand – nein nicht einmal meine kleine Familie, da ich weiß, dass die auch ohne mich sehr gut auskommen.

Komisch, …

… mit 18 war ich Feuer und Flamme für das Amway-Geschäft. Ich habe es geliebt. Die Kick-offs, die Seminare in Mayrhofen, … all die tollen Menschen und der Traum, selbst einmal so „reich“ zu sein. Mit 25 wollte ich meinen eigenen 4 Seiten Hof haben und viel reisen.

Nun bin ich 35 und stehe heulend vor den Trümmern meines erschaffenen Lebens. Ich weiß nicht mehr, wer ich bin und was ich mag, mache mich klein und reagiere gereizt auf alle Menschen – unbeachtet, ob sie mir was Gutes wollen oder nicht. Ich hab das Lachen verlernt und hoffe nur noch, dass mich diese Krise lehrt etwas zu ändern.

signatureWo ist die Waage-Frau in mir?
-zu meinem Glück bin ich auch noch Aszendent Waage 😀

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28 Kommentare zu “Neustart mit 35

  1. Liebe Winnie, das klingt nach einer schwierigen Phase. Aber darauf folgt meist eine bessere. Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass wenn ich der Meinung war, dass es so nicht weitergehen kann und ich es nicht mehr aushalte, dann ändert sich etwas. Vielleicht brauchst Du ein bisschen Abstand und Zeit für Dich alleine. Alles Liebe, Silke

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  2. Liebe Winnie. Verrückt, dass es ausgerechnet jetzt passiert, dass Du Dir diese Gedanken machst. An Ostern.

    Ostern ist eine Zeit der Läuterung und der Erneuerung. Vielleicht soll es ausgerechnet deshalb jetzt so sein?!

    Es ist nie zu spät, neu zu beginnen und Dinge im Leben zu ändern. Ich bekam mit 39 eine schlimme Diagnose und habe danach ziemlich vieles in meinem Leben umgekrempelt und geändert. Und das war gut und richtig so. Sei froh, dass du, dass deine Familie gesund ist. Und mach was draus.

    Alle guten Wünsche für Dich!!!
    Antje

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  3. Lustig. Klingt so ähnlich wie bei mir. Ich befürchte dass ich nicht den nötigen mumm habe und in meinem jetzigen Leben verharre.

    Warum um alles in der Welt zeigen euch eure Nachbarn beim Jugendamt an und das gleich mehrfach?

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    • Weil auch Schlafanzug-Diskussionen einfach mal sehr laut werden können, … der Klassiker. Das war vor ca. 4 Jahren, als die Püppi noch ganz klein war und es hier einfach hin und wieder drunter und drüber ging – is eben so, wenn man keine Großeltern in der Nähe hat und auf sich allein gestellt ist, … dann erfährt man schon recht fix, wie es sich am Rande der Erschöpfung anfühlt mit 3 Kleinkindern. Parallel dazu war das in den Medien ganz massiv, dass doch bitte jeder beim Nachbarn genauer hinhören sollte, ob da Kinder misshandelt werden, …
      Aber hey, … alles vorbei, wir sind gut zusammengewachsen und die beiden Großen übernehmen schonmal mehr mit Verantwortung, was das Leben einfach ruhiger macht!

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      • Wir mussten mehrfach direkt aufs Amt und durften auch die Herrschaften hier herein lassen. Man hat uns Hilfe angeboten, die wir aber abgelehnt haben – was sollen wir mit fremden Menschen morgens um 7 bei uns? Naja, … sie haben sich ein Bild davon gemacht, dass hier alles OK ist, die Kinder sinnvolle Spielzeuge, saubere Klamotten und frei von Blessuren sind. Die Kinder wurden auch befragt und sie haben wahrheitsgemäß geantwortet, dass wir uns schon mal streiten auch laut, aber das sonst nichts ist. Die Nachbarn haben einen Unterlassungsbrief bekommen, worin stand, dass sie entweder beim nächsten Mal erstmal zu uns kommen sollten um zu fragen was los ist, oder sich einfach um ihre Sachen kümmern sollen. Weil wenn sie das nächste Mal zu uns fahren müssen und in der Zeit ein Kind wirklich massiv in Schwierigkeiten steckt, sind sie Schuld wegen Falschaussage. Seither war nichts mehr, … 3 unterschiedliche Menschenpaare haben das bei uns versucht, … echt unglaublich im Nachhinein. Wir haben einen Kurs „Starke Eltern – Starke Kinder“ belegen wollen, … hat nie geklappt und nun sind wir auch so gut zusammengewachsen.

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      • Wow! Tolles Jugendamt!
        Und wir werden hier kaputt kontrolliert. Seit zwei Jahren haben sie nichts falsches gefunden und sie lassen uns noch immer nicht in Ruhe.
        Aber das bei euch war auch nicht ohne. Krass. Drei Parteien. Irre. Wie kommen die auf so einen quatsch?
        Ja bei uns wird es auch manchmal laut. Besser als alles rein fressen. Noch besser geht vllt auch aber niemals laut fände ich unnatürlich.

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      • Der Vorteil ist, .. die Kinder werden Größer … damit wird es auch ein wenig ruhiger 😉 Ja, ich bin auch echt froh, dass wir so easy daraus gekommen sind, … einen faden Beigeschmack hat es aber nach wie vor. So Mitten von Berlin haben sie aber auch gut zu tun, da lassen sie wohl eher mal locker, … wie auch immer:
        Ich wünsche euch gute Nerven und viel Kraft.

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      • Bei uns in der Stadt haben Sie maximal Viel zu tun von ganz Deutschland. Deswegen wollen sie niemanden loslassen der einmal ins System reingekommen ist. Damit falls ein Kind stirbt sie sagen können: aber wir haben alles in unserer macht stehende getan. Ich bin froh dass Berlin anders reagiert als unsere Stadt 🙂

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  4. Deine Ideen, wenigstens eine solltest du in die Tat umsetzen.
    Wir haben auch den Absprung geschafft, aus dem Ruhrgebiet ins beschauliche Münsterland.
    Ich wünsche dir, dass deine Familie auf deiner Linie ist.
    deine Bärbel

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  5. Liebe Winnie, jeder hat mal so eine Phase. Kannst du dir frei nehmen und mal 1 Woche ganz alleine an die See fahren? Einfach abschalten und viel spazieren gehen? Vielleicht auch malen?
    So habe ich meine Krise überstanden und einen Neuanfang gewagt.
    Ich wünsche dir viel Glück und einen guten weiteren Weg.
    LG Tina

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    • Hey Tina, … mal sehen, was bei dem Gespräch mit dem Direktor raus kommt, … demnach werde ich ich erstmal richten, …. oder eben auch nicht. Ich hab für mich erstmal einen kleinen provisorischen Fahrplan …

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  6. Huhu liebe Winnie, ich bin auch Anfang 30 und hatte genau deine Situation vor genau einem Jahr, als ich mitten im Burnout steckte, den meine Ärzte und die Chiropraktikerin schon fast ein halbes Jahr vorher erkannt hatten, nachdem ich viel zu lange durchgehalten hatte. Durchhalten ist der falsche Weg des Kämpfens. Als ich das endlich verstanden hatte (und dennoch mitten in Zukunftssorgen und ziemlicher Entwurzelung steckte) und endlich den Entschluss fasste, den falschen Job zu kündigen, klingelte 2 Stunden später das Telefon mit meinem Traumjob.

    Es dauert seine Zeit, bis die inneren Weichen sich stellen, aber dann ergeben sich neue Wege – und die sind vielleicht ungewiss, aber sie haben einen Vorteil: Sie sind keine Sackgasse.

    Und was Du zu Berlin sagst, kann ich ebenso nachvollziehen 🙂 Ich bin dort aufgewachsen und dann zum Studieren weggegangen und mich zieht es kein Stückchen zurück, im Gegenteil, es wäre ein schlimmer Gedanke.

    Und zu Deinem inneren Kritiker: Mit dem wird man nicht von heute auf morgen ein gutes Team, aber vielleicht kannst Du ja den Dialog aufnehmen und auch mal ein Gespräch „gewinnen“. Oft sind Leistungsdruck und das Durchhaltenwollen entweder alte Botschaften der Eltern oder eigene Konstrukte, an denen man messen will, ob alles ok ist. Aber ganz ehrlich: Ob etwas ok ist, entscheidet das Gefühl, das man dabei hat. Darauf kommt es an. Bitte lass dir also Zeit und sieh es nicht als ein Scheitern, denn das wäre es nicht – im Gegenteil: Es ist Selbstbehauptung.

    Alles liebe!

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